#Late Bloomers – die Geschichte von Grandma Moses

Unsere Gesellschaft verbreitet gerne dein Eindruck, es wäre kein Turnaround möglich, wenn man mit 30 nicht seine Berufung gefunden hat. Danach ist alles zu spät, man ist zu alt, zu ungelernt, der Zug ist abgefahren, Schuster bleib bei deinen Leisten!

Dabei hätte man zahlreiche große Denker und Lenker der Vergangenheit niemals auf einer zeitgenössischen „30 under 30“ Liste gefunden.

Zuerst wollte ich eine Liste mit vielen Beispielen von Menschen schreiben, die jenseits der 40 ihren großen Durchbruch hatten. Diese Idee habe ich nach den ersten 5 Beispielen wieder verworfen, da bei einer solchen Auflistung nie richtig klar wird, was diese Menschen gemeinsam haben. Es erschien mir daher sinnvoller, ein einziges Beispiel aufzugreifen und die Anatomie dieser Erfolgsgeschichte genauer zu analysieren. Ich entschied mich für Grandma Moses, die ich bereits in einem anderen Artikel erwähnt habe, weil sie in meinen Augen am besten verkörpert, worauf es ankommt.

Grandma Moses, von Hausfrau zu Künstlerin mit 76 Jahren

Anna Mary Robertson Moses, auch bekannt als „Grandma Moses“, ist zweifellos eine der bedeutsamsten Künstlerinnen der USA des 20. Jahrhunderts. Geboren 1860 in New York, wuchs Anna in einfachen Verhältnissen auf. Sie besuchte eine Dorfschule, arbeitete als Magd, wurde danach Bäuerin und bekam zehn Kinder (von denen 5 das Erwachsenenalter erreichten). 1927 starb ihr Ehemann, von da an war sie auf die Hilfe ihrer Kinder und Enkel angewiesen.
Alles änderte sich für sie als auf Grund von Arthritis im Alter von 76 Jahren das Sticken und Häkeln zu beschwerlich wurde.

Die meisten Menschen hätten an diesem Punkt resigniert und den Rest ihres Lebens mit Tauben füttern verbracht.

Aber nicht Grandma Moses. Sie begann in den 1940ern mit 76 Jahren das Malen zum Zeitvertreib. Sie hatte schon als Kind gerne gemalt, es aber nie weiterverfolgt. Da sich ihr ganzes Leben dort abgespielt hatte, malte sie Bilder über die ländlichen USA. Und was für Bilder. Kunstkritiker erkannten beim ersten Blick den einzigartigen Wert ihrer Darstellungen des Lebens in der ländlichen amerikanischen Moderne. Dass sie die Bilder von Grandma Moses aber überhaupt zu Gesicht bekamen, ist ihrem Selbstbewusstsein als Malerin zu verdanken. Anna hatte ihre Bilder immer gerne für wenige Dollar verkauft, anstatt sie bei sich zu Hause zu horten – an Cafés und kleine Dorfläden. Auch die Bilder, die 1938 von einem Hobby-Kunstsammler in einem Dorfladen entdeckt wurden. Er kaufte alle auf und so verbreiteten sie sich in New York. Ein Jahr später waren Grandma Moses’ Bilder im New York Museum of Modern Art ausgestellt.

Ein Jahr später waren Grandma Moses’ Bilder im New York Museum of Modern Art ausgestellt.

Grandma Moses erhielt landesweit großen Ruhm, wurde öffentlich mit Briefmarken und Zeremonien geehrt. Ihre Gemälde hängen heute im Weißen Haus und im Metropolitan Museum of Art, New York. Grandma Moses starb schließlich im Alter von 101 Jahren – nach 25 Jahren als große Künstlerin im Rentenalter. Warum habe ich mir dieses Beispiel ausgesucht? Nicht einfach, weil Grandma Moses schon so alt war, als sie ihren großen Durchbruch hatte.

Grandma Moses ist ein perfektes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, seine Träume zu verfolgen.

Ihr Kindheits-Hobby war Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, da der Bauernhof und Kindererziehung wichtiger waren. Das war für Grandma Moses aber kein Grund, nicht mit 76 Jahren wieder zu malen. Auch hat sie sich nicht (wie die meisten von uns) für ihre Werte geschämt, sondern war stolz darauf. Deswegen hat sie sie auch verkauft – sie wollte, dass die Welt sie zu Gesicht bekommt. Erst so war es möglich, dass Grandma Moses überhaupt entdeckt wurde.

Ein gegenteiliges Beispiel ist Vivien Maier.

Eine heute berühmte und gefeierte Street Fotografin war ihr ganzes Leben unbekannt, starb vereinsamt in ihrem vom Almosen finanzierten Apartment. Sie hatte nie versucht, ihre Bilder zu verkaufen. Sie hat ihre Fotos nie irgendwem gezeigt. Sie hatte keine befreundeten Fotografen, lebte als Kindermädchen ihren Traum in Einsamkeit aus. Die einzigen Fotos von ihr selbst wurden vor dem Spiegel von ihr selbst gemacht. Ihre Fotos und Negative wurden nach ihrem Tod fast zerstört. Nur einem Wunder ist es zu verdanken, dass sie heute noch existieren.

Grandma Moses war selbstbewusst und wollte ihren Traum mit der Welt teilen. Ihr war egal, dass sie alt war, älter als die damalige Lebenserwartung. Ihr war egal, dass sie eine Bäuerin ohne akademische Ausbildung war. Sie wollte einfach nur malen und hat es getan.

Quelle: http://time.com/4482257/grandma-moses-history/

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