#Late Bloomer: Harrison Ford

Unsere Gesellschaft verbreitet gerne dein Eindruck, es wäre kein Turnaround möglich, wenn man mit 30 nicht seine Berufung gefunden hat. Danach ist alles zu spät, man ist zu alt, zu ungelernt, der Zug ist abgefahren, Schuster bleib bei deinen Leisten! Dabei hätte man zahlreiche große Denker und Lenker der Vergangenheit niemals auf einer zeitgenössischen „30 under 30“ Liste gefunden.

Dieses Mal in der „Late Bloomer“ Reihe: Harrison Ford. Die allermeisten unter uns kennen Harrison Ford schon immer als berühmten Schauspieler.

Wir kennen ihn als Han Solo oder Indiana Jones und haben keine Ahnung, dass er jemals ein Leben vor seiner Schauspielerkarriere hatte.

Dies ist auch eine plausible Annahme, da im Show Business die meisten in sehr jungen Jahren als Kinderstars die ersten Rollen bekommen und waren mit 5 Jahren schon berühmt (z.B. Drew Barrymore, E.T.). Teilweise hatten sie Rollen in Fernsehserien, an die sie lieber nicht zurückdenken (z.B. Leonardo di Caprio in The New Lassie).

Harrison Ford hingegen war weder Kinderstar noch besuchte er eine angesehene Schauspielschule.

Er beschreibt sich sogar selbst als Late Bloomer, der erst spät seine Berufung fand: „I was a kid who never found a niche (…) I wasn’t an athlete, I wasn’t a student leader, I wasn’t anything. I was a late bloomer, I think.“1

Erst im College nahm er die ersten Schauspielstunden – um vor anderen Menschen weniger nervös zu sein. Er versuchte sich in seinen ersten Rollen, wo er sich zum ersten Mal in seinem Leben akzeptiert und zugehörig fühlte. Er wagte daher den Schritt nach Hollywood. Dort bekam er einige kleine Rollen, von denen er aber nicht leben konnte (Ford hatte zwischenzeitlich geheiratet und hatte seine Ehefrau und zwei kleine Kinder zu versorgen).

Also hängte er die Schauspielerei wieder an den Nagel und suchte sich einen anständigen Job als Handwerker.

Als Handwerker war Harrison Ford durchaus erfolgreich und konnte mit seinem Verdienst seine Familie sehr gut unterhalten. Daher war er auch nicht besonders begeistert und lehnte fast aus reinem Pragmatismus ab, als er im Alter von 31 Jahren von Casting-Agenten für eine Nebenrolle angesprochen wurde. Es war viel Überredungskunst (= zusätzliche Gage) nötig, um Ford davon zu überzeugen, dass er einige Tage für diese Rolle aufbringen könne. Der Film hieß American Graffiti und wurde von einem damals noch unbekannten George Lucas gedreht. Seinen großen Durchbruch als Han Solo hatte Ford erst Jahre später mit 35 Jahren, allerdings war es die Rolle in American Graffiti, die ihn mit den richtigen Leuten bekannt machte.

Seinen eigenen Stil hatte Ford damals allerdings immer noch nicht entwickelt, als herausragender Schauspieler war er ebenfalls nicht bekannt (Han Solo ist mehr eine Actionfigur als eine dramaturgische Meisterleistung). Auch bekannte spätere Rollen (Indiana Jones) trugen mehr zum Cowboy-Image als einer Oscar-Nominierung bei und Ford fand sich gefangen in draufgängerischen Actionrollen, mit denen er selbst zunehmend unzufrieden war. Niemand traute ihm etwas anderes zu. Bis zum Ruhm durch Kritiker sollte es daher noch viele Jahre und Rollen dauern, bis Harrison Ford mit Mitte 40 die ersten angesehenen Ehrungen erhalten sollte (eine Oscar Nominierung für seine Rolle im Film Witness).

1 Thomas, Bob (March 4, 2000). "Harrison Ford shy, thoughtful". Bangor Daily News. Bangor, Maine. p. H3.

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