#Ideal für Stabilität: ein Gefängnis

Wenn man seinen Kollegen, Freunden und der Familie von seinem Vorhaben erzählt, sich beruflich komplett umorientieren zu wollen, werden oft große Bedenken geäußert. Wieso seine hart erarbeitete Sicherheit und ein Leben in Stabilität aufgeben?

Dies betrifft vor allem Leute, die ein Unternehmen gründen möchten. Sich selbständig zu machen wird als extremes Risiko angesehen, selbst wenn man in seinem aktuellen Job unglücklich ist und vermutlich sowieso bald weg-digitalisiert wird. Aber auch eine Umschulung in einen anderen Fachbereich oder ein Ortswechsel werden als Risiken gesehen, da man doch beim aktuellen Unternehmen seine Beförderung in 5 Jahren sicher hat (wenn der Vorgesetzte in Rente geht) und ein gutes Einkommen erzielt.

Stabilität alleine machen aber nicht glücklich.

Genau zu wissen, was die nächsten 10.000 Tage passiert (nämlich immer das gleiche), erfüllt niemanden mit Freude. Es gibt keinen 100-jährigen, der auf dem Sterbebett seinen Ur-Enkeln erzählt, er denkt gerne an die ganze Stabilität in seinem Leben zurück und dass er froh ist, bestimmte latent riskante Chancen nicht ergriffen zu haben.

Stabilität findet man besten in einem Gefängnis.

Man muss sich um absolut nichts kümmern. Der komplette Tag ist geplant und läuft immer gleich ab: 06:00 Uhr aufstehen, 07:00 Uhr Frühstück, 08:00-12:00 Uhr Arbeit, 12:00-13:00 Uhr Mittagspause, 13:00-17:00 Uhr Arbeit, 17:00-21:00 Uhr Erholung/Lernen, 21:00 Uhr Bettzeit. Garantiert keine Überraschungen, eine sichere Unterkunft, Mahlzeiten und ab und zu nen netten Film mit den anderen Insassen gucken.

Das Gefängnis macht aber garantiert nicht glücklich, weil nichts davon die eigene Entscheidung ist.

Gefängnisinsassen befinden sich natürlich nicht in einem Dauerzustand der Verzweiflung, allerdings bereiten sich die meisten mental auf ihre Entlassung vor und freuen sich auf die Zeit, die nach dem Gefängnis kommt.

Viele von uns leben in einem selbst gewählten Gefängnis.

Dass wir uns formal frei bewegen können, macht keinen Unterschied, weil das Gefängnis mental ist. Unser mentales Gefängnis ist viel schlimmer als ein physisches, weil uns niemand mit einem Schlüssel rauslassen kann. Um die Erwartungen anderer Leute zufrieden zu stellen hat man einen bestimmten Job, wohnt in einer bestimmten Gegend, stellt seine Träume hinten an und schämt sich sogar dafür. Dies alles klingt sehr uninspirierend und das ist es auch.

Für einen echten Neuanfang muss man sich zuerst von seinem mentalen Gefängnis befreien. Dazu gehört auch die Einsicht, dass man selbst dafür verantwortlich ist, die Tür zu öffnen, weil es niemand anders für einen machen wird.

#Konzept

#Werte