#5 Strategien für Jobsuche ohne spezifische Erfahrung

Die Fachrichtung zu wechseln ohne direkte Erfahrung vorweisen zu können kann auch bei hoher Motivation sehr frustrierend sein. Quereinsteiger haben es bei den meisten Unternehmen schwer, da Bewerber schablonenartig ausgewählt werden und man unverhältnismäßig viel Wert auf fachliche Erfahrung legt. Aber auch die Bewerber selbst tun sich oft keinen Gefallen mit ihrer Herangehensweise und stehen sich selbst im Weg indem sie versuchen, den Standardprozess einzuhalten, der nicht für sie gemacht wurde. Dieser Artikel gibt einen Überblick über bewährte Methoden, mit denen man es sich leichter macht, den Beruf zu wechseln.

HR großzügig umgehen

Das am wenigsten genutzte, aber offensichtlichste am Anfang: HR ist in den allermeisten Unternehmen eine Serviceabteilung, die sich darüber definiert, wie gut sie Standardprozesse ausführt. Initiativ-Bewerbungen (auch wenn solche ausdrücklich erwünscht sind) passen in solche Standardprozesse nicht hinein. Bewerber, deren CVs nicht roboterartig auf eine Stelle zugewiesen werden können, passen auch nicht in den Prozess. Man kann sich die ganzen Bewerbungen über HR also sparen und geht gleich den Umweg über die Fachabteilung, d.h. den relevanten Zuständigen auf der Firmenwebsite, LinkedIn oder Xing raussuchen und direkt anschreiben. Bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen erhält man so meistens schnell eine Antwort, mit der man auch ehrliches Feedback statt einer Standardantwort bekommt. Dies wird nicht mit einer Standardbewerbung inklusive Zeugnissen funktionieren, sondern eher mit einer guten Intro Mail. Die Chancen, überhaupt berücksichtigt zu werden, steigen aber enorm.

Nicht gleich nach einem Job fragen, sondern nach Informationen

Oft ist es besser, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Wenn man wie in Punkt 1. beschrieben den richtigen Ansprechpartner im Fachbereich gefunden hat, sollte man nicht unbedingt sofort darauf eingehen, dass man dort arbeiten möchte. Dies ist gerade in modernen Branchen und Fachbereichen, wo Netzwerken ein wichtiger Bestandteil ist, relevant. Hier macht man sich beliebter, wenn man zunächst ein offenes Gespräch darüber sucht, wie man am besten den Einstieg in diesen Bereich schafft und um Informationen z.B. den besten Kursen und Events bittet. Die wenigsten Leute in kleineren Firmen würden diesen Gefallen ablehnen und sind zumindest zu einem Email-Austausch bereit. Es sollte natürlich darauf eingegangen werden, warum ausgerechnet Person X angeschrieben wurde (Expertise, Branche, örtliche Nähe etc.) und was man konkret wissen möchte. Aus diesen Gesprächen ergeben sich nicht selten Stellenangebote, oder der Verweis auf weitere hilfreiche Ansprechpartner.

Relevante Erfahrung maximal einbringen

Auf der Suche nach passenden Einstiegsmöglichkeiten sollte man nicht einfach Stellen absuchen (die wie in Punkt 1. beschrieben sowieso nicht passen). Stattdessen versucht man, seine relevante Erfahrung (die nicht nur fachlich ist) auf ein Unternehmen zu matchen – dann hat man nämlich auch etwas, was man verkaufen kann. Relevant sind Dinge wie Branchenerfahrung, internationale Expertise, Sprachkenntnisse, Führungserfahrung sowie Know-How in bestimmten Technologien, die von vielen Unternehmen genutzt werden.

Online Kurse belegen

Die Bereitschaft, online Kurse als hochwertige Zertifizierungen anzuerkennen, ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Auch sehen viele Führungskräfte eine besondere Leistungsbereitschaft bei Leuten, die eigenständig ihre Fortbildung planen und sich umschulen. (Wer 10 intensive online Kurse im Digital Marketing belegt, wird das auch wirklich machen wollen). Das Angebot auf dem Markt ist inzwischen riesengroß und man findet für fast jeden Lebensbereich online Kurse, die man neben dem Job belegen kann. Teilweise werden diese Kurse sogar von Universitäten durchgeführt und zertifiziert, da die Anwesenheit vor Ort nicht mehr als unabdingbar angesehen wird.

Die Community kennenlernen statt ein altes Netzwerk nutzen

Auch ohne festen Job kann man (besonders in digital-affinen Berufen) Teil der Community werden und die Thought Leaders kennenlernen. Wer regelmäßig auf relevanten (online) Events unterwegs ist, weiß nach kurzer Zeit ganz genau, welche Unternehmen nach Leuten suchen, wen man dort anschreiben kann und was die aktuellen „Hot Topics“ sind. Im Nachgang eines Events neue Kontakte aus dem gewünschten Berufsfeld anzuschreiben ist wesentlich vielversprechender als bestehende Kontakte abzuklappern, die weder fachliche Ahnung haben noch ein besonderes Interesse, zu helfen.

Diese 5 Strategien sind natürlich nur grob wiedergegeben und dienen nicht als konkrete Handlungsanweisungen ohne weitere Analyse. Was in deinem individuellen Fall sinnvoll ist, muss gründlich überdacht werden. Was war dein bisheriger Beruf, wo stehst du jetzt, wo willst du hin? Bist du gut genug darin, dich selbst zu verkaufen, oder musst du zunächst an deiner Selbstpräsentation arbeiten? Einen neuen Job zu finden kann ein längerer (Lern-)Prozess sein, du musst nur mutig genug sein, ihn anzufangen.

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